Das Ende der Pferde von Dillenburg

Die Grünen schließen das Landgestüt. Ein Protokoll staatlicher Tätigkeit in vier Stimmungen

Hi Thommi!

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Aus für das Landgestüt Dillenburg
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Der jeile Traum: Das Gestüt bleibt
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Albtraum: Ein Gestüt ohne Hengste
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Der Grüne Dank des Landes?!

Tschüss Dillenburg!


Aus für das Landgestüt Dillenburg?

Umweltministerin Hinz (Die Grünen) sieht sich, just in den ersten Tagen der Sommerferien, zu dieser Maßnahme "gezwungen", weil die Hengste an der Wilhelmstraße "seit Jahrzehnten" keine Weiden mehr haben.
Böse(?) Zungen unken über Immobilien-Spekulation: Die Gestütsgebäude geben lukrative Luxus Wohnanlagen her.

Eine hodenlose Heuchelei!

von KARLHEINZ DAMEROW,
Heisterberg, 8. Juli 2017


Obwohl AdBlue-Manipulationen an Lkws vermutlich größere Schäden verursachen, als der gesamte VW-Skandal, erhält die Polizei keinen Prüfauftrag. Insekten-Sterben, am dramatischten Bienen-Sterben, Wildkräuter-Sterben, Singvögel-Sterben, sorgen für saubere Windschutzscheiben und fruchtlose Pflanzen. Aufschlussreiche, amtliche Luftstaub-Analysen auf Pflanzen- und Insekten-Vernichtungsmittel wurden eingestellt. Die Zulassung von Glyphosaten wird verlängert. Die Forderungen globaler Saatgut- und Agrar-Chemie-Monopolisten werden erfüllt. Ihre und die Profitinteressen der Landwirtschafts-Industrie werden bedient. Amtliche Untätigkeit gegenüber qualvoller Massen-Tierhaltung ...

...das sind, aus dem Stehgreif, nur ein paar “Leer“stellen im "Handlungs"protokoll einer Grünen Umweltministerin in Hessen.

Dafür "handelt" Frau Hinz nun hemmungslos ins Sommerloch 2017 hinein, und deckt mit der, ihr offenbar ganz akutell gekommenen Erkenntnis eines uralten Zustands in Dillenburg den lupenrein postfaktisch hessischen Umweltskandal auf:

Das Landgestüt Dillenburg quält seit Jahrzehnten seine Hengste.

Was in Kenntnis der Haltung und der Bewegungsangebote für diese Tiere in Dillenburg wie ein schlechter Scherz erscheint - den Pferden fehle es an Auslauf! – wird aber nicht zuletzt dadurch zum pharisäischen Ärgernis, dass sich nicht wenige "Pferdeleute" diesen Vorwurf zu eigen machen. Wohl wissend wie weit verbreitet die Boxenhaltung, besonders bei eher wohlhabenden und Sport-Pferdehaltern ist. Und angesichts nahezu flächendeckender Haltung ohne annähernd ausreichendem Weidezugang und ohne „eigentlich“ verpflichtendem Witterungsschutz bei eher auf-Rand-genähten Freizeit-Pferdebesitzern.

Weidegang steht zu recht auf der Liste aller Merkmale einer optimalen Pferdehaltung. Eine 100prozentig optimale Darstellung aller Bedingungen dieser Liste ist aber weder an jedem Ort, noch zu jeder Zeit realisierbar. Auch nicht in der "Natur", wie es einige definieren, in der Welt ohne den Menschen. Eine zu "100 Prozent optimale" Pferdehaltung gibt es also - auch in Dillenburg - nicht.

Die Dillenburger Elitehengste, die auf dem Paradeplatz des Gestüts regelmäßig „gearbeitet“, also bewegt werden (? können), haben die wesentliche Funktion, die der Kernaufgabe eines Landgestüts entspricht, Gene für gewünschte Pferdemerkmale zu vererben. Es geht also um den Hoden dieser sogenannten Landbeschäler, genauer, um dessen Inhalt. Die Frage, ob sich die Träger dieser wertvollen Hoden und unter welchen Haltungsbedingungen, in Erfüllung ihrer Aufgabe wohlfühlen, wäre schon einmal eine sehr vernünftige Frage. Mit deren Beantwortung sollte man dann aber auch ernst zu nehmende Wissenschaftler, wie zum Beispiel den Verhaltensbiologen Immanuel Birmelin beauftragen, bevor man dies Experten für volkstümliche Bauchgefühle, zweifelhaft sachverständigen Gerichtsurteilen, oder gar den skrupellosen Anwälten spendengeiler, milliardenschwerer, global agierender Tierrechtskonzerne mit esoterisch gewaschenen Gehirnen überlässt.

In Dillenburg, wie in anderen staatlichen Gestüten ist über Jahrhunderte erworbenes Wissen über die Pferdezucht versammelt. Überspitzt gesagt, das Landgestüt ist die letzte verantwortliche Instanz gegen eine vollkommen unregulierte privat dilletantische Hengsthaltung, und damit gegen profitable Pferdevermehrung anstelle seriöser, verantwortliche Pferdezucht. Gegen Pferde-Vermehrung nach dem Motto: Die Stute hat zwar schlechte Hufe. Ich habe aber einen Käufer für ein Fohlen aus ihr, mit dem Fleck auf dem Bauch.

Mit der Schließung des Landgestüts Dillenburg würde diese letzte Versammlung von Pferdekompetenz in diesem Bundesland eliminiert. Angesichts der vorgebrachten Argumente und der überfallartigen Vorgehensweise erinnert dies verdächtig an die reißerische, alternativ faktische Agitation eines globalen Tierrechts Konzerns mit Sitz in den USA:

Eine hodenlose Heuchelei!

2019 könnte das Institut für Pferdezucht in Dillenburg 150jähriges Bestehen feiern. Eine Einrichtung, die, wohl verstanden, zu denen gehört, die Aufgaben im Interesse der gesamten Gesellschaft wahrnehmen. Die damit nicht privatwirtschaftlichen Kriterien der Gewinnerzielung unterliegen dürfen! Kein gesunder Verstand wird auf die Idee kommen, Bundeswehr oder Schulen müssten „sich rechnen“, geschweige denn Profit abwerfen. Ebenso wenig wie „richtige, Schwimmbäder“, mit Lehrbecken, Trainingsbahnen,  Sprungbecken, Gymnastik- und Krafträumen. Schwimmen können ist ein Gut, das die Gesellschaft allen Bürgern ermöglichen muss. Das kostet etwas. Immer noch knalligere Wasserrutschen in „Spaß“bäder bleiben gerne den Profitinteressen von Shareholdern und zu entsprechenden knackigen Eintrittspreisen überlassen.

Zum Schluss noch eine, allerdings dringend nötige Prise Pathos. Die Jahrtausende währende Geschichte der Nutzung der Pferde durch die Menschheit ist in der Summe ganz und gar kein Ruhmesblatt für den Menschen. Unvorstellbare Zahlen von Pferden, die in den Sielen starben, die in Kriegen gemetzelt, die im schnellen Zug vor Kutschen zu Tode kamen. Die unvorstellbaren Mengen an Energie, die Pferde dem Menschen schenkten, für den Bau von Eisenbahnen, Wolkenkratzern und Schiffen, für die Bestellung der Felder, den Transport von Menschen und Handelsgütern, sind eine nie löschbare Hypothek. Die Menschheit wird diese unermessliche materielle und moralische Schuld, diesen großartigen Tieren gegenüber, auf unabsehbare Zeit nicht annähernd tilgen können.

Ein halbes Jahrhundert nachdem Traktoren die letzten Pferde in der Landwirtschaft abgelöst haben, ist den meisten Menschen der Kontakt zu Pferden vollkommen verloren gegangen. Damit wissen auch die wenigsten Menschen noch etwas über Pferde. Wer aber auch nur einmal den Zauber dieser beeindruckenden Tiere bei einer der Hengstparaden gespürt hat, der „weiß“, dass eine Einrichtung wie das Landgestüt in Dillenburg nur eine winzige, dafür umso verdientere Kathedrale zur Feier und Würdigung des Jahrtausende alten Bandes zwischen den Menschen und den Pferden ist.

Wenn denn nun eines der letzten Institute zur Bewahrung dieses kostbaren kulturellen Erbes geschlossen werden soll, sollte man meinen, dass entsprechend seriöse und schwerwiegende juristische und politische Gründe dafür vorgebracht werden. Da mag man kaum glauben, wenn die üblichen eingeweihten Kreise in diesem Fall vermuten, die Schließung des Landgestüts sei von Hinz verfügt worden, um einer Klage des Schmieren-Theater-Tierrechts-Konzerns namens peta aus dem Land unverschämter, großmäuliger Ignoranten, Kreationisten und Milliardäre zuvorzukommen. Was immerhin für diese steile Vermutung spräche, ist die Personalie einer gewissen Frau Martin, die im Dunstkreis dieser Entscheidung auftaucht: Tierschutzbeauftragte, Verfasserin banaler Tierchen-sind-so-lieb-Fibeln, Zirkustiergegnerin, kurz, naturwissenschaftliche Dauer-Leerstelle, zoologisches Feigenblatt und flankierende Allzweckwaffe der Hessischen Landesregierung.

Zuletzt, nicht der unbedeutendste, wohl eher der brisanteste Aspekt der Causa „Schließung des Landgestüts Dillenburg 2017“. Ein Bürger dieser Stadt brachte es bei einer Protestveranstaltung auf den Punkt, was viele Menschen an Lahn und Dill in diesem Zusammenhang denken:

„Herr Reif (CDU) und Frau Hinz (Die Grünen), in Ihrer Schließungs-Verfügung für das Landgestüt Dillenburg bieten Sie der Stadt an, bei der Folgenutzung der Gestütsgebäude behilflich zu sein. Ihnen scheint ja schon etwas bestimmtes vorzuschweben. Wir versprechen Ihnen, wir werden die Finanzströme, die sich im Zusammenhang mit diesen Immobilien ergeben, sehr genau unter die Lupe nehmen.“

Wenn nicht alles täuscht, war dies, unter dem großen Beifall der überfüllten Wilhelmstraße, die Äußerung eines Verdachts auf Immobilienspekulation im Amt.

Starker Tobak!
Schaun-mer-amal!

Hessen lässt sich sein Landgestüt Dillenburg nicht von geldgeilen peta-Heuchlern nehmen!

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Ein jeiler Traum: Das Landgestüt Dillenburg bleibt bestehen!

Herzlich rechtschaffener Sachverstand schlägt gemeine faktische Realität?!

Heisterberg, 13. August 2017
VON KARLHEINZ DAMEROW


Juristisch erzwungene esoterische Absurditäten, Profitgeilheit und politischer Opportunismus, Anno 2017

Landgestüt Dillenburg wird geschlossen

„Nach Jahrzehnte langem Ringen“ verkündete das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, „zufällig“ in der ersten Woche der Sommerferien 2017, die Schließung des Landgestüts Dillenburg. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Viele normale Bürger, Menschen an Lahn und Dill, viele Pferdefreunde, nicht nur in diesem Bundesland, dachten aber ganz spontan: Was für ein überfallartiger, skandalöser und brutaler Akt der Grünen Ministerin aus der Nachbarstadt Herborn – der gnadenlose Schlussstrich unter eine Institution, einen über Jahrhunderte gewachsenen Teil der Identität der Stadt Dillenburg und ihres Umlandes.

Peinliche Begründung

Die Begründung der sachlichen Notwendigkeit und der Dringlichkeit dieses hoheitlichen Akts der Landesregierung ist ein Paradestück ministerieller Peinlichkeit. Die Schließung des Landgestüts just zu diesem Zeitpunkt sei geboten, um „drohenden“ Klagen eines Tierrechts-Vereins wegen Tierquälerei zuvor zu kommen.

Gemeint ist Peta, eine US-Firma mit weltweiten Filialen, die sich über kalkulierte esoterische Romantisierungen und Vermenschlichungen von Tieren zu absurden Aussagen versteigt, wie: „Ratten haben dieselben Rechte wie Menschen“. Eine Firma sektierender Spinner, die haltungslose Juristen und Videobastler damit beschäftigen, maximal provozierende Medienkampagnen, wie: „Fleischessen ist Holocaust auf dem Teller“, oder hirnrissige Klagen, wie: „Ein Affe hat das Copyright an seinem Bild; Die Tantiemen gehen an Peta“, möglichst Aufsehen erregend zu inszenieren und sich selbst durch global steuerfrei generierte Spendengelder zu bezahlen. Fundtiere, die Peta in den USA aufnimmt, die nicht umgehend vermittelbar sind, lässt diese Firma nach eigenen Angaben töten, weil das Geld für Unterkunft und Verpflegung dieser Tiere für die Finanzierrung der Medienkampagnen gebraucht werde.

Im Kern lebt diese Firma davon, dass die meisten gutwilligen modernen Menschen nichts mehr aus eigener Erfahrung z.B. über Pferde wissen, seit diese vor einem halben Jahrhundert durch den Traktor ersetzt wurden. Menschen, die ihr „modernes“ Pferdewissen beim Konsum von Hollywood-Western, TV-Tierfilmen, aus der versammelten Pferde"litratur" oder YouTube erworben haben, wo Pferde pausenlos galoppieren, ohne tot umzufallen.

Was bleibt einem modernen = medienabhängigen Menschen übrig, als pharisäisch kalkulierenden, esoterisch sektierenden Tierrechtlern - und der Hessischen Ministerin auf den Leim zu gehen?! Beide bauen schließlich auf das selbe populistische, milliardenfach klickfähige, "moderne Pferdewissen". Die Firma Peta is very amused über einen billigen "Sieg", und eine Ministerin lässt ihr Landgestüt schließen, „weil die Pferde in Dillenburg seit Jahrzehnten keinen Weidezugang haben“. Und weil doch jeder Mann und jede Frau "weiß", dass Pferde ohne täglichen Weidegang „gequält" werden.

Übrigens: Es gab einmal Weiden am Dillenburger Gestüt! Richtung Niederscheld. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden sie verkauft. Von einer Landesregierung. Als Bauland. Déjà vue?

Nicht zuletzt: Die Lage der Jahrhunderte alten Gestütsgebäude, einst am Stadtrand, nun mitten in der Stadt, verspricht Immobilien-Investoren und Spekulanten reichlich Profit. Die Allianz eines längst weder aktuellen, noch modernen Grün- ideologischen Feindbildes eines „reichen Pferdehalters“, das sich besonders sinnfällig im Bänker-Speckgürtel stinkend teurer Pferdepensionen um Frankfurt und Wiesbaden zu bestätigen scheint, mit Gelb-wirtschaftsliberalen Heils- und Wunschvorstellungen flächendeckender Privatisierung, natürlich auch des „Pferdegeschäfts“, feiern in dieser politisch opportunen Schließungsverfügung für das Landgestüt Dillenburg ganz besonders unappetitliche Urständ.

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Nur ein jeiler Traum?
Rechtschaffener Sachverstand schlägt gemeine faktisch-politisch-juristische Realität?

So bewegen sich Pferde auf der Weide

Wer sich und seinem „modernen Pferdewissen“ das Vergnügen gönnt, mehr als nur ein paar Stunden lang zu beobachten, wie sich diese Tiere auf der Weide tatsächlich verhalten, der darf sich auf Erstaunliches gefasst machen: Pferde auf der Weide bewegen sich zu mehr als 90 Prozent ihrer Wachzeit weder im Schritt, noch im Trab und schon gar nicht im Galopp. Also in keiner der drei Grundgangarten.

Pferde auf der Weide bewegen sich fast ausschließlich im „Fressgang“, von einer Schrittstellung, über eine Pause, zur nächsten Schrittstellung. Die Pause ist gefüllt mit dem Abrupfen von Kräutern und Gräsern, Kauen und Schlucken. Ihre Dauer ist abhängig von der Qualität und der Dichte des Nahrungsangebots auf der Weide.

Wer weidende Pferde in den letzten zehn Prozent ihres Bewegungsverhaltens, also in allen drei Grundgangarten beobachten will, muss sehr viel Geduld mitbringen. Am häufigsten zu beobachten ist der Schritt. Ein Pferd wechselt darin von einer abgegrasten zur nächsten Fressstelle, oder bewegt sich hin zur oder zurück von der Tränke. Bei etwas stärkerem Durst kann der Weg zum Wasser oder zum leckerlieträchtigen Besitzer auch im Trab zurückgelegt werden. Ein Pferd im Galopp auf der Weide zu beobachten, ist unter normalen Umständen nur extrem selten möglich. Wenn, dann wurde es kurz zuvor durch ein „Pferde fressendes“ Ereignis – einen Schuss, einen „Bären“, „Puma“ oder einen dafür zu haltenden Wanderer – alarmiert und so zum aktivierten, dem „berühmten“ Fluchttier, dem vierhundert Meter „durchgehenden Gaul“.

Fazit: Rechtschaffener Sachverstand entlarvt ein angeblich lebensnotwendiges Bewegungsbedürfnis, das nur durch täglichen Weidegang zu befriedigen sei, als Bestandteil einer Hollywood-Pferde-Welt. In den Boxen des Dillenburger Gestüts, in denen die Pferde nach allen neuesten Erkenntnissen der Pferdeernährung bestens versorgt, ihre Äpfel, Kot und Urin entsorgt, ihre Einstreu gewartet wird, und in denen selbst die „Dicksten“ sich im Schritt bewegen können, sind die meisten dieser Bedingungen eines artgerechten Weideaufenthalts gegeben. Ergänzt werden sie hier durch ein wohltemperiertes Gebäude-Klima in Pferde gerechter Bauweise mit luxuriösen Deckenhöhen, Wind-, Regen-, Sonnenschutz und soziale Kontakte mit dem zweibeinigen Wartungs-Personal und den vierbeinigen Artgenossen in der Nachbarbox. Einziges Manko der Einzelbox, „soziales“ Fellknabbern mit einem Kumpel ist darin nicht möglich.

Wer unter diesen Bedingungen von Tierquälerei spricht, der darf sich eine geballte Ladung Kompetenz im Umgang mit alternativen Realitäten bescheinigen lassen.

Pferde sind auch Lebensmittel liefernde Tiere

Jeder Pferdebesitzer muss sich entscheiden, ob sein Tier „zur Schlachtung bestimmt“ ist oder nicht. Wenn im Arzneimittel-Anhang des Equidenpasses, dem „Pferde-Personalausweis“, nichts eingetragen ist, gilt das Pferd als Schlachtpferd. Dann darf der Tierarzt nur Medikamente anwenden, die für Lebensmittel liefernde Tiere zugelassen sind. Jede Anwendung muss dort dokumentiert werden. Der Tierhalter muss ein Bestandsbuch führen. Der Besitzer eines solchen, dann Schlachtpferdes, entscheidet am Ende allein über dessen Todeszeitpunkt und auch darüber, ob es geschlachtet oder eingeschläfert wird.

Die Widmung als Schlachtpferd kann jederzeit in „nicht zur Schlachtung bestimmt“ geändert werden. Umgekehrt nicht?! Bei einem Nicht-Schlachtpferd gibt es keine Begrenzung der anwendbaren Arzneien. Eine Nottötung kann dann nur bei Vorliegen eines "vernünftigen Grundes" und mit tierärztlicher Zustimmung geschehen. Das tote Tier gilt als Sondermüll und muss als solcher "entsorgt" werden...

Tierschutz für Schweine und Pferde

Pferdefleisch gehört zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit. Unterschiedliche kulinarische Traditionen in verschiedenen Ländern begründen eine jeweils unterschiedliche Nachfrage. In Deutschland wird relativ wenig Pferdefleisch gegessen.

Niemand wird bei einem Qualitätshengst und Spitzenvererber im Landgestüt an seine mögliche Verwendung als Sauerbraten denken. Die Widmung aller Dillenburger Pferde – nun bitte nicht in Ohnmacht fallen – als Schlachtpferde, ermöglichte aber die Anwendung tierrechtlicher Vorgaben, wie sie für die Haltung von Arten gelten, die stärker als Lebensmittellieferanten nachgefragt werden, wie z.B. Schweine und Kühe.

So wurde bisher kein Schlachtschwein jemals gefragt, ob es den Quadratmeter Stallfläche, der ihm per Gesetz zusteht, für artgerecht hält. Oder, ob es die Möglichkeit vermisst, wie ein "wild" lebender Verwandter, im angrenzenden Forst, im Boden zu wühlen und mit der Rotte zu laufen.

Kein Pferdeliebhaber wird jemals daran denken, eine 1zu1-Übertragung von Haltungsbedingungen in der Fleisch produzierenden Industrie auf die Pferdehaltung auch nur zu erwägen. Nach einer möglichst vorurteilsfrei vergleichenden Analyse, könnten aber deutlich überzogene Maßstäbe an die Mindestanforderungen artgerechter Pferdehaltung auf eine rechtschaffen sachverständige Ebene zurückgeführt werden.

Täglicher Weidegang gehört, als durchaus wünschbarer Luxus, auf die Liste optimaler Haltungsbedingungen für Pferde. Das Fehlen dieser Möglichkeit begründet aber für sich noch lange nicht den Tatbestand von Tierquälerei. Einem Kind das sichere Schwimmen beizubringen, ist Bestandteil „artgerechter Menschenhaltung“. Eine fehlende Wasserrutsche ist ganz sicher keine „Menschenquälerei“.

Der Satz: „Das Sozial- und Fluchttier Pferd braucht täglich stundenlangen Kontakt mit Artgenossen und die Gelegenheit, diverse Bewegungsarten auf einer Weide zu wählen und auszuüben“, beschreibt Optimalbedingungen der Pferdehaltung. Wer sie zu tierschutzrechtlich verbindlichen Ausschluss-Kriterien macht, der tötet Pferde. Pferde, die keine Aufgabe mehr haben, die (in einem Landgestüt) nicht mehr gebraucht werden (dürfen), gehen zum Metzger und/oder werden nicht mehr geboren.

Stiftung Öffentlichen Rechts?!

Das Damoklesschwert der Schließung aus Kostengründen schwebt bundesweit über vielen Landgestüten. Besonders in den Ländern, in denen Wirtschaftsliberale Kräfte mit ihrem inbrünstigen Gelben Glaubensbekenntnis für ein flächendeckendes privatwirtschaftliches Profitstreben in allen Lebensbereichen (zu viel) politischen Einfluss haben.

Wo es aber um die Bewahrung von Traditionen wie die Pferdezucht, die Erhaltung und evtl. Rückzüchtung regionaler Rassen, um historische, gesellschaftspolitische bis emotionale, ganz gewiss nicht ausschließlich unternehmerische Aspekte geht, da kann, da darf Profit kein Kriterium sein. Eine Gesellschaft, in der Schulen, Museen, Kindergärten, Schwimmbäder - und Landgestüte - sich rechnen müssen, ja sogar Prifit abwerfen sollen, ist pervers. Siehe die zunehmende Zahl von Spaßbädern und von Ertrinkungstoten.

Einrichtungen, die dem Betrieb und der Erhaltung kultureller, im breitesten Sinne lebenserhaltender gesellschaftlicher Aufgaben dienen, kosten Geld. Ihr immaterieller Mehrwert ist aber weitaus größer als es betriebswirtschaftliche Zahlen ausdrücken. Wer darauf besteht, dass sie sich auch monetär "rechnen", der nimmt in Kauf, oder will gar, dass sie nur noch für wenige Wohlhabende zugänglich sind. Der führt sie also im Kern ad absurdum.

Ein schönes Beispiel, wie es gelingen kann, der Privatisierung eines Landgestüts einen Riegel vorzuschieben, ist Neustadt an der Dosse. Am 30. Juli 2001 überführte der brandenburgische Landtag das Haupt- und Landgestüt Neustadt an der Dosse  in eine Stiftung Öffentlichen Rechts, um „die stabile nachhaltige Entwicklung zu sichern, durch die Rekonstruktion und Werterhaltung der historischen Gestütsanlagen sowie die Stabilisierung vorhandener und die Schaffung neuer wirtschaftlicher, insbesondere touristischer Potentiale, im Rahmen der Entwicklung des ländlichen Raumes in der Ostprignitz“.

Eine Maßnahme, die möglicher Weise auch das Landgestüt Dillenburg, als letzte Bastion herzlich verantwortlicher, rechtschaffen sachverständiger Pferdezucht, vor einem total unkontrollierten Kartell privatwirtschaftlicher Pferdevermehrung in Hessen bewahren könnte. Eine weitere schöne Parallele zu Neustadt Dosse könnte dann auch in Dillenburg weiter bestehen, die pädagogische Zusammenarbeit mit einer Schule. Hier mit der benachbarten Wilhelm-von-Oranien-Schule...

In einer Welt irrer „starker Männer“ mit großen Schnauzen: Ein stiller, kleiner jeiler Traum! Das Landgestüt Dillenburg bleibt bestehen!

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Zugegeben, der folgende Gedanke irritiert mich:

Es heißt, Matrosen, die nicht schwimmen können, seien - auch bei widersinnigen oder inhumanen Befehlen der Schiffsleitung - weniger geneigt, zu meutern. Sie kämpften dafür um so entschlossener um ihr Schiff und gegen seinen drohenden Untergang.

Leider erfährt man nichts entsprechendes über Matrosen, die schwimmen können. Etwa weil sie garnicht erst angeheuert wurden?!

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Doch kein Jeiler Traum,

Ein Albtraum: Das Landgestüt Dillenburg ohne Hengste!?!

Hi Nobel!

Auf den ersten Blick könnte man meinen: Esoterisch juristische Absurditäten aus USAsistan, Gelbe wirtschaftsliberale Profit-Geilheit, Grüner politischer Opportunismus, kurz: Die gemeine faktische Realität unterliegt der Kraft und dem Zauber einer Jahrhunderte alten Kultureinrichtung???...
Leider, leider: Denkste!!!

Heisterberg, 18. August 2017
VON KARLHEINZ DAMEROW


Das Landgestüt Dillenburg sollte garnicht geschlossen werden. Die Grüne Ministerin wollte mit dieser Finte nur die touristische Attraktivität des Gestüts-Geländes "beleben".

Priska Hinz vom "Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz" hat sich entschlossen, den Pferden in Dillenburg, nach Jahrzehnten "lebensgefährlicher" Haltung, endlich Auslauf und freie Bewegung zu verschaffen.

Die Hengsthaltung soll aber aufgegeben werden, da Hengste nur einzeln zu halten sind und entsprechend zu viel Platz bräuchten. Außerdem habe die Pferdezucht aus Dillenburg (durch asymmetrische "Kooperation", alias: feindliche Übernahme? des Hessischen Pferdezucht-Verbandes durch den Hannoveraner Verband 2005 und den damit verursachten Verlust eigenständiger Gestaltung regional orientierter Zuchtziele) schon lange an (profitabler?!) Bedeutung verloren. Der Reit- und Fahrbetrieb dürfe aber mit Duldung des Ministeriums aufrechterhalten bleiben.

Welch gottgleich logikfreier Ratschluss.

Per Definition ist die Kernaufgabe eines Gestüts die Zucht. Die Paarung systematisch ausgewählter Hengste und Stuten, unter der Vorgabe konkreter Zuchtziele, also bestimmter angestrebter Merkmals-Kombinationen. Zuchtziele, deren Spektrum per gesellschaftlichem Auftrag von Schockemöhlscher Profitorientierung am Freizeit- oder Sportpferde-Markt, bis zur akademischen Rückzüchtung historischer lokaler Rassen reichen könn(t)en.

Durch die ministerielle Entscheidung: "Keine Hengsthaltung mehr!", ist das Landgestüt Dillenburg de facto Vergangenheit. Spätestens nach dem (hoffentlich!) ehrenvoll gewährten Ableben der derzeitigen Gestütshengste in ihrer vertrauten Umgebung, wird Zucht in Dillenburg nur noch mittels Tiefkühlsperma aus dem Katalog möglich sein. So lange der Vorrat reicht.

Den ohne die Hengste verbleibenden Rest als "Erhaltenes Landgestüt" zu verkaufen, grenzt an Trumpsche Dreistigkeit. Mit den Hengsten verliert Dillenburg den wesentlichen Kern seiner Jahrhunderte alten Pferdekultur. Was übrig bleibt, ist ein Gestüt "to go", eine noch so gut florierende Reit- und Fahrschule in historischen Gebäuden, eine ministerielle Mogelpackung - Pardon - "ohne Eier!" Der "Ponyhof Dillenburg" lässt grüßen und fragen: "Cui bono?, wessen Interessen werden hier bedient?"

Ach ja, die Ministerin wollte mit ihrer Anordnung der Schließung ja eigentlich nur dazu beitragen, das Gestüts-Gelände als touristische Attraktion zu beleben! - bis ein potenter Investor gefunden ist?!? Siehe die Pressemitteilung von Frau Hinz.

Da bleibt einem die Spucke weg. Unvorstellbar, wie schnell eine Grüne Politikerin Trump lernen kann!

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Pressemitteilung
des "Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz"
vom 18.8.2017

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Der Grüne Dank des Landes Hessen?
Viele Bürger der Stadt, ihr Rat,
sogar der Bürgermeister, protestieren gegen den Verkauf der Zuchthengste – nur die Grünen nicht. Was ist den Grünen so erstrebenswert an einem Dillenburg ohne Landgestüt?
VON ELKE & KARLHEINZ DAMEROW
Vor dem Tor 4
35759 Driedorf-Heisterberg
im Oktober 2017

- Die Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist bisher kein Jota von ihrer Anordnung der „totalen Schließung des Landgestüts Dillenburg“ abgerückt. Ganz im Gegenteil, allen Protesten und Petitionen der Bevölkerung zum Hohn, verfügte sie nun den unverzüglichen Verkauf der Zuchthengste. Ein Gestüt ohne Zuchthengste ist kein Gestüt mehr. Damit ist auch das ultimative Ende für alle Pferde an der Wilhelmstraße besiegelt. Eine Reit- und Fahrschule ohne hoheitlichen Auftrag, die in den historischen Gestütsgebäuden nur geduldet wird, ist über kurz oder lang in privater Hand. Die jüngsten millionenschweren Sanierungen dienen der Erhaltung der Bausubstanz denkmalgeschützter Gebäude – und, unverblümter Weise, der Steigerung ihrer Attraktivität für Immobilienspekulanten.
- Die Grüne Ministerin ist nicht die Initiatorin, sie ist „nur“ die Ausführende eines lange vor sich hin dümpelnden Ausstiegs der Landesregierung aus der Verantwortung für die regionale Pferdezucht. Ein Abschied, der schon im frühen letzten Jahrhundert, mit dem Verkauf der Weiden des Gestüts zwischen Dillenburg und Niederscheld begann. Die Verlegung der Verwaltung des Gestüts nach Kassel, zu „Kraut und Rüben“, markierte dann den Beginn des schleichenden Verlusts seiner besonderen Identität und hoheitlichen Aufgaben, vom Kopf her. Diverse Leiter folgten so schnell aufeinander, dass keiner seine Beamten-Karriere auch nur durch die Andeutung einer prägenden Wirkung auf die Sicherung ihrer staatlichen Daseinsberechtigung gefährden musste. Mit der Übernahme des Hessischen Verbandes für Pferdezucht durch den Niedersächsischen Verband verabschiedete sich schließlich auch der letzte Rest nicht kommerzieller Zielsetzungen der Pferdezucht in diesem Land.
- Ein Teil der Begründung für die Schließung des Landgestüts Dillenburg hier und heute ist denn auch, dass Pferdezucht 2017 keine hoheitliche Aufgabe mehr sein könne, weil schließlich weder Militär noch Landwirtschaft Pferde mit bestimmten, gesicherten Eigenschaften nachfragen. Wer könnte dem widersprechen? Der nicht ausgesprochene, grobmotorische Turnschuh-Grüne Kern dieser Begründung lautet dann aber: Die Zucht von Freizeit- und Sportpferden für das Hobby „reicher Pferdebesitzer“ darf nicht mehr durch beamtete Fachleute und mit Steuergeldern subventioniert werden. Welches inbrünstig Grüne Interesse auch immer, es bewog die Grünen-Fraktion im Stadtrat, als Einzige nicht gegen den Verkauf der Hengste zu protestierten. Der Verweis auf angeblich nicht zu rechtfertigende „hohe“ Kosten des Gestüts (nicht einmal 1,5 Millionen pro Jahr = weniger als 25 Cent pro Bürger = insgesamt weniger als 0,1 Promille der über 27 Milliarden des Landesetats) offenbart aber doch in Wahrheit die politische Verweigerung der Verantwortlichen (Grünen). Die Verweigerung, seine durchaus gegebene, zeitgemäße und von Natur unkommerzielle, kulturelle Aufgabenstellung im Interesse aller Hessischen Bürger überhaupt ernsthaft in Betracht zu ziehen.
- Sechstausend Jahre Geschichte der Ausbeutung des Pferdes durch den Menschen wurde durch hundert Jahre Ottomotor und Erdöl beendet. Nun soll mit dem Argument fehlenden Profits die nahezu letzte Institution geschlossen werden, in der die Erinnerung an diese einmalige Kultur der Koexistenz zweier Tierarten bewahrt werden könnte. In der das Mensch-Pferde-Zeitalter für uns Nachfahren in der „Zeitblase Landgestüt“ erlebbar bleiben könnte. Wohlfeile Schlagworte wie Biodiversität, Genpool, regionale Rassen, Rückkreuzung... haben in einer wahrhaft hoheitlichen und zeitgemäßen Aufgabenstellung eines jeden Landgestüts, mindestens in jedem Bundesland, eine jeweils eigenartige, hochrangige, hoheitliche(!) Berechtigung. Gegenüber der staatlichen Finanzierung solch plakativ zweifelsfreier Kulturgüter wie Schlösser und Weingüter allemal.
- Zum Schluss zum armseligen Beitrag der Tierschutzbeauftragten des Landes Hessen (Mitglied im Beirat der Tönnies-Forschung). Nach ihrer Einschätzung wurden die Pferde in Dillenburg seit Jahrzehnten ohne Weidegang „gequält“. Seit 25 Jahren also in ihrer Verantwortung. Um aber nach ihrer Kenntnis(!) drohenden Klagen einer US-amerikanischen Tierrechtsfirma zuvor zu kommen, rät sie, das Gestüt vorsorglich unverzüglich zu schließen. Derartig postfaktische, mehrfach sachverständig widerlegte Einschätzungen schaden nicht zuletzt dem Ansehen aller, die sich rechtschaffen für artgerechtere Tierhaltung – besonders auch in der Fleischindustrie – einsetzen. Den Zuchthengsten, die nun nach dem Willen ihrer obersten Schützerin verkauft werden, wird damit ein Lebensabend in ihrer vertrauten Welt im Gestüt verweigert. Im Namen eines heuchlerischen Tierschutzes und in Erinnerung an sechstausend Jahre Ausbeutung durch den Menschen, erwartet sie der Dank des Landes Hessen, wie die meisten Pferde, die keine Aufgabe mehr haben, die keinen Gewinn bringen: Sie gehen zum Metzger oder werden nicht mehr geboren. Im Namen einer Grünen Ministerin aus Herborn und ihrer Tierschutzbeauftragten. Im Namen einer Frau Hinz und einer Frau Martin?!
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